Home

Lichtverschmutzung

1. Was ist Lichtverschmutzung und wie entsteht sie?

Eigentlich läßt sich diese Frage recht schnell beantworten. Luftverschmutzung, Gewässerverschmutzung usw. kennt jeder und inzwischen versucht man diese auch zu vermeiden, weil sie eine Beeinträchtigung unserer Lebensqualität bedeutet. Aber es gibt auch noch die Lichtverschmutzung. Über diese macht man sich gemeinhin wenig Gedanken. Man sollte dies aber tun!
Unter Lichtverschmutzung versteht man die Verschmutzung unserer Umwelt mit Licht. Viele Menschen werden sich nun fragen, wie man die Umwelt mit Licht verschmutzen kann? Lichtverschmutzung entsteht durch falsch angebrachte, schlecht konstruierte oder überflüssige Lichtquellen. Dieses Licht wird an den Staubpartikeln oder Wassertröpfchen in der Atmosphäre reflektiert und sorgt so für eine Aufhellung des Nachthimmels. Schauen wir uns dieses beiden Abbildungen etwas genauer an. Sie stellen die Aufhellung des Nachthimmel auf der Erde, sowie in Europa dar.

Schnell wird klar, daß nur noch in abgelegenen Gebieten unserer Erde die Nacht noch wirklich Nacht ist. Insbesondere in den Industriestaaten in Europa, Amerika und Japan ist der Himmel derart aufgehellt, daß man schon kaum noch die Sterne erkennen kann. Wer in einer deutschen Großstadt lebt kann sich ja mal die Mühe machen und die sichbaren Sterne zählen. Diese Aufgabe ich recht leicht zu bewerkstelligen, denn so viele sieht man nämlich nicht mehr. Leider nimmt diese Himmelsaufhellung und damit auch Ihre negativen Folgen stetig zu

Na und?

Gute Frage! Mehr als 90% der Bevölkerung werden sich jetzt sagen: Das ist mir egal. Ich schaue eh nicht nach den Sternen und wir haben ja das Hubble Teleskop um diese zu beobachten. Es sind doch eh nur Hobbyastronomen die das interessiert weil die halt eben nicht mehr so viel sehen wie vorher.
Ist zunächst auch erst mal so. Doch in Wirklichkeit betrifft uns alle dieses Problem.

2. Einfluß auf die Tierwelt

Durch Lichtverschmutzung werden viele nachtaktive Tiere in Ihrer Lebensweise gestört. Wir als Menschen haben durch unsere Lebensweise schon genug Schaden auf unserem Planeten angerichtet, den irgendwann unsere Kinder und Kindeskinder auszubaden haben. Aber es ist anscheinend ein allgemeines Problem unserer Gesellschaft, daß man nur an das Jetzt und Heute denkt, nicht jedoch an die zukünftigen Generationen.
Viele Insekten schwärmen nachts aus um auf Nahrungssuche zu gehen oder sich zu vermehren und werden von Straßenlaternen magisch angezogen. Diese werden für sie zur tödlichen Falle. Wer kennt sie nicht die Laternen um die hunderte Falter schwirren und dann irgendwann im Lampengehäuse verenden. Das sieht nicht nur unschön aus, sondern mindert auch andereseits auch die Abstrahungsfähigkeit der Lampe. Das wiederum bedeutet Reinigungsaufwand (Chemie) und damit Kosten und weiter Umweltbelastung. Der durch die verendeten Insekten verursache Mangel an selbigen im Ökosystem hat aber auch Folgen für die Pflanzen und Tierwelt. Zum einen gibt es immer weniger Blütenbestäuber und zum anderen dienen diese Insekten vielen Tieren wie Vögeln, Igeln usw. als Nahrung. Stellen Sie sich bitte mal die folgende Frage?

Wann haben Sie das letze mal einen bunten Schmetterling (Tagpfauenauge, Brauner Bär) gesehen?

Sie werden feststellen, daß viele von ihnen sagen werden - Früher gab es mehr davon.

Aber nicht nur Insekten sind betroffen. Auch viele Kleinsäuger und nachtaktive Vögel nutzen den Schutz der Nacht um auf Nahrungssuche zu gehen. Viele Eulenarten kann man in unseren Breiten leider fast nur noch im Zoo bewundern.
Ende letzten Jahres (2004) ging eine Meldung leider etwas unbeachtet von der breiten Öffentlichkeit durch die Medien. In der Schweiz kam es zu einem Zwischenfall mit einem Schwarm Zugvögeln. Im Nebel wurden diese von der üppugen Beleuchtung eines Ferienortes magisch angezogen. Anstatt ihrem angeborenen instinkt zu folgen und sich am Erdmagnetfeld zu orientieren, verfielen sie dem Drang, sich dem Licht zu nähern und flogen zun hunderten gegen Häuserwände um dort an Ihren Verletzungen zu verenden.

2. Einfluß auf den Menschen

Jeder Mensch wird sich die Frage stellen, wie ein aufgehellter Himmel in der Nacht denn Einfluß auf den Menschen haben könnte? Nun ist der Mensch zugegebenermaßen eine ziemlich anpassungsfähige Spezies. Immerhin haben wir auf unserem Planeten auch die ungemütlichsten Plätze besiedelt und erobert. Doch auch wir gehorchen nur einfachen aber auch komplexen biologischen Gesetzen. Wenngleich die Forschung auf diesem Gebiet noch in den Kinderschuhen steckt, so zeigt sich doch schon jetzt, daß die Lichtverschmutzung zahlreiche negative Auswirkungen auf unseren Körper hat.

Die Nacht dient unserem Körper zur Erholung. Die Ruhe ist entscheidend für unser Wohlbefinden und unsere Entwicklung. Gerade für Kinder ist ausreichend Tiefschlaf extrem wichtig für die geistige Entwicklung, da das Gehirn im Schlaf die Ereignisse des Tages verarbeiten und neuronale Verknüpfungen aufbaut, die den Grundstock für die geistige Entwicklung eines Kindes legen. Aber auch wir Erwachsene haben meist Probleme im Hellen zu schlafen. Viele Menschen, die eine Straßenlaterne vor ihrem Schlafzimmer haben kennen sicher das Problem, daß diese als störend empfunden wird. Im Gegensatz zu den Tieren in der Natur können wir allerdings die Vorhänge zuziehen oder die Jalousien schließen. Auch helle Vollmondnächte bereiten vielen Menschen Schlafstörungen. Während jedoch der Vollmond nur einmal im Monat auftritt, ist die durch Menschen verursachte künstliche Beleuchtung allgegenwärtig

Nicht nur Schlafstörungen sind durch die Himmelsaufhellung zu befürchten. Wie Studien un den USA inzwischen belegen ist das Problem durchaus dramatischer. In den USA gibt es umfangreiche Datenbanken in denen langjährig Informationen über Mitarbeiter des Gesundheitswesens gesammelt wurden. Bei der Auswertung dieser Informationen zeigte sich, daß Krankenschwestern, die häufig nachts in den hell erleuchteten Räumen der Krankenhäuser arbeiteten, wesentlich häufiger an Brustkrebs erkrankten als Krankenschwestern, die keinen Schichtdienst hatten. Auf der Suche nach der Ursache geriet der Stoff Melatonin (nicht zu verwechseln mit Melanin, welches für unsere Hatrfarbe zuständig ist) ins Visier der Forscher. Diesen Stoff produziert unser Körper in der Nacht, wenn es dunkel ist. Entscheidend für den Melatoninspiegel in unserem Körper ist die Dunkelheit! Je dunkler, desto mehr Melatonin wird produziert. Melatonin wird für Regenerationsprozesse in unserm Körper benötigt. Fehlt es, oder ist der Melatoninspiegel zu gering hat dies teils dramatische Auswirkungen. Bei Frauen wird das Hormonsystem durcheinander Gebracht. Der Anteil an Östrogenen sinkt un der Anteil des männlichen Sexualhormons Testosteron steigt. Hierdurch ist dann auch das um 36% erhöhte Auftreten von Brustkrebs bei den amerikanischen Nachtschwestern zu erklären. Dieser Effekt konnte auch bei anderen Bevölkerungsgruppen nachgewiesen werden. Allen gemeinsam war nur , daß sie Nachts an hell erleuchteten plätzen arbeiteten. (Info auf Englisch) (Info2) (Info3) (Info4)

Inzwischen gibt es auch anzeichen für Zusammenhänge mit anderen Krebsarten wie dem Lungenkrebs (Info auf Englisch)

Wie gesagt steht hier die Forschung noch am Anfang, dies bedeutet aber nicht, daß man sich deshalb nichts gegen die bisher schon bekannten Auswirkungen unternehmen sollte. Nur weil man über etwas Gefährliches nichts weiß, heißt das nicht, daß keine Gefahr da ist. Jahrelang hat man sich auch keinen Kopf um Feinstaub gemacht. Jetzt ist es das Thema Nummer 1 in den Medien. Nur kostet das Einbauen eines Filters in die Fahrzeuge viel Geld, das ausschalten unnützer Beleuchtung spart sogar noch welches.

3. Sicheheitstechnische Aspekte

Beleuchtung ist nötig! Da wird auch sicher niemand jemals etwas Gegenteiliges behaupten. Gerade in unserer Zivilisation ist Beleuchtung nötig um Gefahren (z.B. im Straßenverkehr) zu verhindern. Doch wie bei allem kann man alles übertreiben und tut dies leider auch.

Hier sei zunächst die Straßenbeleuchtung angesprochen. Diese ist wichtig! Aber halt in Maßen und dort wo es angebracht ist. Viel befahrene Straßen in Ortschaften müssen beleuchtet werden. Kaum benutzte Nebenstraßen hingegen, in denen in der Stunde vielleicht ein Auto vorbei fährt, können mit entsprechend geringerer Beleuchtung gefahren werden. Es gibt hier in Thüringen sogar Radwege zwischen kleineren Dörfern, die nachts beleuchtet sind, obwohl da eigentlich keiner lang fährt.

Viele Firmen oder auch Privathaushalte beleuchten Ihre Anwesen nachts fast taghell um sich gegen Einbrecher zu schützen. Daß dies etwas nützt ist leider ein Irrglaube. Untersuchungen verschiedenen Kriminalstatistiken haben ergeben, daß am häufigsten am Tage eingebrochen wird. Dies hat auch einfache Gründe. Damit ein Einbrecher einbrechen kann, muß er sich am Tatort orientieren können! Dies tut er entweder mit einer Taschenlampe oder aber ihm wird von Seiten des Hausherren sein Betätigungfeld beleuchtet. Letzteres ist natürlich für den Übeltäter besonders günstig. Jedem Beobachter würde es auffallen, wenn im Nachbarhaus der Schein einer Taschenlampe wahrzunehmen ist. Ist jedoch das Haus hell erleuchtet, denkt jeder der Nachbar sei zu Hause. Eine wesentlich bessere Alternative wäre der einsatz von Bewegungsmeldern. Die Lagerhalle oder das zu schützende Grundstückt wird nur schwach beleuchtet. Wenn eine Person sich dem Gebäude nähert wird durch die Bewegungsmelder eine zusätzliche Beleuchtung eingeschaltet. Alternativ kann auch noch ein Alarm ausgelöst werden.

Ein Einbrecher in England hat einmal ausgesagt,deß die meisten Einbrecher nur am Tage Ihrem "Handwerk" nachgehen. Wenn das Opfer auf Arbeit ist kommt man als Handwerker und kann in aller Ruhe die Wohnung "auseinandernehmen". Selbst Lärm stört dann meist die Nachbarn nicht. Es sind ja nur die Handwerker von Nebenan!
Eine weitere Tatsache, welche die Behauptung "mit heller Beleuchtung sei der Kriminalität zu begegnen" ist die Kriminalstatistik. In Deutschland werden die meisten Straftaten in Hamburg und Berlin verübt. Beides Großstädte, die Hell erleuchtet sind, aber man ist sich einig, daß Kriminalität immer soziale Ursachen hat. Man muß also besser diese Beseitigen, als unnütz Lampen aufstellen.

4. Energieverschwendung

Wir erzeugen unsere Beleuchtung mittels elektrischer Energie, gemeinhin auch als Strom bekannt. Dieser kommt jedoch nicht einfach nur so aus der Steckdose, wie uns manche Sprüche aus vergangenen Jahren suggerieren mögen, sondern wird vornehmlich aus fossilen Brennstoffen wie Kohle und Öl gewonnen. Leider haben diese den unangenehmen Nachteil, daß sie nur begrenzt verfügbar sind und in nicht allzu ferner Zukunft versiegen werden. Aber das ist ja nur ein Problem mit dem sich die Verantwortlichen in politik und Verwaltung nicht herumschlagen müssen. Die meisten Entscheidungsträger in diesen Bereichen sind eh in einem Alter, welches die Prognose zuläßt, daß sie diesen Zeitpunkt persönlich nicht mehr erlben werden. Also sehen sie das Problem offenbar nicht. In Deuschland geht man nun Gott sei Dank in den letzten Jahren dazu über verstärkt auf regenerative Energien umzusteigen. Leider ist diese den Stromversorgern ein Dorn im Auge, weil sie sich halt schwer regeln läßt und damit das Versorgungsnetz durcheinander bringt. Aber wenigsten scheint die Politik auf diesem gebiet etwas dazu gelernt zu haben. Dennoch sollte man grundsätzlich Energie nicht verschwenden.

Ein Beispiel:
Durch Lichtverschmutzung werden Unmengen an Energie und Geld vergeudet. Nehmen wir an, an betreibt eine 500 Watt Lampe etwa 11 Stunden pro Nacht (Durchschnitt aus Sommer und Winter) an 365 Tagen so verbraucht man etwa 2007,5 kWh. Nimmt man an, daß die kWh im Durchschnitt 14ct kostet, so sind dies Kosten von 281,05 Euro pro Jahr für nur eine einzuge Lampe. Nimmt man nun eine kurze Straße in der etwa 10 Lampen stehen, so sind dies bereits 2810,50 Euro pro Jahr. Was da bundesweit herauskommt mag ich gar nicht hochrechnen. Bezahlt wird das Ganze vom Steuerzahle mit seinen Steuern und Kommiunalabgaben. Sicher kann man nicht jede Straßenlaterne deswegen abschalten, aber man kann dern Anzahl auf ein sinnvolles Maß reduzieren. Außerdem erachte ich es nicht für sinnvoll die Straßenbeleucting die ganze Nacht brennen zu lassen. Ich kann mich noch an Zeiten erinnern (vor 1989 in der DDR) als die Straßenbeleuchtung in abgelegenen Gebieten nach Mitternacht abgeschaltet wurde. Untersuchungen in den USA haben ergeben, daß allein dort jedes Jahr mehrere 10 Mrd. US$ unnütz in Beleuchtung fließen. Einige Staaten und Städte haben darauf bereits reagiert.

Durch Energieverschwendung wird auch die Umwelt und damit der Mensch direkt geschädigt. Wieso? Ganz einfach. Wie bereits erwähnt wurd ein Großteil der Energie, welche zur Beleuchtung verwendet wird aus Fossilen Brennstoffen gewonnen (Kohle, Erdöl, Erdgas) erzeugt. Um zum Beispiel die Energie zu erzeugen, welche für die eine 500W Lampe pro Jahr in unserem obigen Beispiel benötigt wird muß in etwa 1Tonne Kohle verbrannt werden. Das klingt viel, ist aber real, da man bedenken muß, daß die in dieser Menge Kohle gespeicherte Energie nicht zu 100% in Licht umgewandelt wird. Etwa 30% gehen schon bei der Erzeugung um Kraftwerk in Wärme und Verluste durch den Wirkungsgrad der Generatoren verloren. Weiter Verluste entstehen in den Überlandleitungen durch Widerstandsverluste. Ebenso kommen nochmal Verluste in den Umspannwerken hinzu. Letztendlich kommen nur etwa 15 % der urprünglichen Energie tatsächlich beim Kunden als Strom an. Und von diesen werden bei einer normalen Glühlampe auch noch etwa 95% in Wärme und nur 5% in Licht umgewandelt. Aber es gibt ja immerhin Energiesparlampen, die aus den 15% immerhin etwas mehr Licht machen. Aber auch diese ändern nichts an der Tatsäche, daß durch die Verbrennung dieser einen Tonne Kohle unsere Umwelt massiv belastet wird. Es entstehen:

- etwa 1,5 t Kohlendioxid welches als Treibhausgas bekannt ist.
- etwa 25 kg Schwefeldioxid welches Hauptbestandteild es sauren Regens ist
- etwa 15 kg Stickoxide (zerstört die Ozonschicht)
- einige Schwermetallverbindungen, die nachweislich zu Gendefekten und Fehlgeburten führen können.

All diese Stoffe pusten wird mit unserer Lampe in unsere Atmosphäre und atmen sie später wieder ein. Schon heute ist ein deutlicher Anstieg von Asthmaerkrankungen zu verzeichnen, der die Krankenkassen und damit wiederum uns alle finanziell stark belastet.


4. Sinnvolle und Sinnlose Beleuchtung

Es besteht zunächst die Frage, was ist sinnvolle Beleuchtung und was ist sinnlose Beleuchtung. Sinnvoll ist all jene Beleuchtung, die auch wirklich benötigt wird um sich zu orientieren oder um Gefahrenstellen zu markieren. Als sinnlos ist die Beleuchtung zu verstehen, die keinen Sinn macht oder gar störend wirkt (Blendeffekt!). Straßenbeleuchtung gehört wie bereits erwähnt zu den sinnvollen Beleuchtungen, jedenfalls zu Zeiten und an Orten, wo auch tatsächlich ein Verkehrsaufkommen zu verzeichnen ist. In der Stadt Augsburg hat man zum Beispiel das Potential einer Differenzierung zwischen sinnvoller und sinnloser Beleuchtung erkannt. Es werden dort in verkehrsruhigen Zeiten einfach alle unnötigen Straßenlaternen abgeschaltet, oder gedimmt. Dadurch konnte die Stadkasse eine Einsparung von 250.000 Euro pro Jahr an Stromkosten verzeichnen. Schade eigentlich, daß dies nicht überall so ist. Gerade in Zeiten knapper Kassen bei den Kommunen verwundert es eigentlich, daß hier noch verschwendet wird. Wer da nicht an die Schildbürger denkt.

Vielerorts macht sich eine andere Form der sinnlosen Beleuchtung breit. Es scheint zum "Volkssport" geworden zu sein, Kirchtürme oder historische bzw. hohe Gebäude von unten anzustrahlen um so den tourstischen Reiz eines Ortes hervorzuheben. Dies mag ja bei wirklich attraktiven Objekten tolerierbar sein, macht aber keinen Sinn, wenn in Kleinkleckersdorf im Niemandsland wo eh Keiner hin kommt, der Kirchturm genauso hell leuchtet wie der Christbaum vorm Rockefeller Centre in New York. In Thüringen kenne ich kaum ein Dorf (egal wie klein) in welchem nicht der Kirchturm unnötig beleuchtet wird. Das ist der größte Schwachsinn (nach Big Brother und DSDS [Meinug des Autors!]) den es gibt. Früher waren Kirchtürme Brutstätten z.B. von Eulen oder Fledermäusen. Diese haben u.a. dafür gesorgt, daß unsere Orte u.a. nicht von Nagern wie Mäusen und Ratten oder Schadinsekten überbevölkert wurden. Heutzutage wird man wohl kaum einen Kirchturm finden in dem noch eine Eule lebt. Sollte dennoch ein Historisches Gebäude angestrahlt werden, so kann dies auch sinnvoll geschehen. Man muss nur das von normalen Strahlern entstehende Streulicht unterdrücken. Das dies möglich ist zeigt das folgende ->Video (~4MB DivX 5.2). Die Methode ist simple wie effizient zugleich. Die heutigen "Lichtplaner", die mit Ihrem Job jede Menge Geld verdienen, sollten sich die mal durch den Kopf gehen lassen!

Genauso sinnlos sind manche Leuchtreklamen. Allen voran unsere lieben Tankstellen. Kaum eine, die nicht mindestens den Tankbereich taghell erleuchtet hat. Dazu kommt dann noch die Beleuchtung des Dachrandes in den typischen Firmenfarben. Offensichtlich müssen auch unsere außerirdischen Nachban erkennen, wo denn das Schöne Aralblau, BP-Grün oder Shell-Gelb zu finden ist. Hinzu kommt dann meist noch eine weit sichtbar Turm mit dem hell illuminierten Firmenlogo in Übergröße, welches auch in etlichen km Entfernung noch zu sehen sein muß. Aber auch kleinere Firmen stehen diesem Wahnsinn in Nichts nach. Hier ist besonders das " Wettrüsten" der Betreiber anzuprangern.
Beispiel: Firma A stellt eine Leuchtreklame auf. Firma B bemerkt dies und muß dies übertrumpfen. Also kommt eine Hellere her. Man mußja zeigen, daß man da ist und besser als der Nachbar. Daraufhin bemerkt Firma A, daß die eigene Leuchtreklame im Vergleich zu der des Kontrahenten eher unscheinbar wirkt. Also wir mit ungezügelter Lampenpower nachgezogen. Das geht dann leider meist so weiter bis einer nachgibt.
Die beste Werbung für eine Firma ist immer noch ihr guter Ruf und nicht die Leuchtreklame auf dem Dach. Wenn aber schon Lichtwerbung gemacht werden muß, dann bitteschön in einem Rahmen, der noch umweltverträglich ist. So wäre es besser, eine Reklametafel von oben herab zu beleuchten. Alternativ kann man auch eine transparente Werbetafel von innen heraus beleuchten. Hierbei wird zum einen wesentlich weniger Energie benötigt und zum anderen bleibt die Beleuchtung relativ lokal. Strahler von Unten nach oben wie auf dem folgenden Bild sind jedoch nicht nur energieverschwendung, sondern das meiste Licht verfehlt sogar noch die Eigentlich zu beleuchtende Reklamefläche.

 

Was kann man gegen Lichtverschmutzung tun?

Wenn man nun den Schritt der Erkenntnis vom Unwissenden zum Wissenden gemacht hat und dann noch soviel Courage und eigeninitiative besitzt, auch wirklich etwas für uns und unsere Umwelt zu tun, stellt sich natürlich die Frage wie man den Missständen begegnen kann.

1. Beleuchtungstrichtung

Hierzu sollte man sich zunächst anschauen welches Licht die Lichtverschmutzung verursacht. Einfach gesagt ist es jedes Licht, welches sinnlos nach oben abstrahlt. Man muß also dafür sorge tragen daß die Lampen so angebracht werden, daß eine Abstrahlung nur nach unten erfolgt bzw. auf nur auf das zu beleuchtende Objekt gerichtet ist. Das ist ja auch die Stelle an der man mit seiner Beleuchtung einen Nutzen erzielen will. Alles was nach oben weggestrahlt wird, bezahlt man zwar, aber nutzt es nicht. Es ist also herausgeworfenes Geld. Die nachfolgende Abbildung verdeutlicht, was damit gemeint ist. Wünschenswert wäre hier die Variante rechts für alle Lampen. Nur bei diesen wird alle Lichtenergie dorthin gelenkt, wo sie hingehört.


Schon der kleine Häuslebauer kann darauf achten, daß seine Außenbeleuchtung entsprechend ausgelegt ist. Es gibt hierfür schon im Baumarkt für wenig Geld Lampen, die geeignet sind. Die sehen sogar noch gut aus. Sie beleuchten wirklich den Boden, sodaß man sieht wo man hintritt und dabei nicht geblendet wird.





Allerdings findet man leider auch noch derartige antile Vertreter der beleuchtenden Zunft bei denen ein Großteil der Lichtenergie vergeudet weil nach oben abgestrahlt wird.



3. Einsatz von Bewegungsschaltern anstelle von Timern

Mit Bewegungsmeldern kann die Brenndauer von Lampen auf die Zeit des tatsächlichen Aufenthaltes einer Person im zu beleuchtenden Bereich genau abgestimmt werden. Diese Methode ist wesentlich Flexibler,als beispielsweise Timerschaltungen, die leider immer noch sehr häufig eingesetzt werden.

Beispiel:
Mein Vermieter hat eine Außenbeleuchtung im Hof angebracht. Diese wird über einen Timer gesteuert. Zunächst war dieser auf etwa eine Minute eingestellt. Nun ergab sich das Problem, daß er das Licht anschaltete, seine Garage öffnete das Auto herausfuhr, das Hoftor öffnete und schließlich nachdem er mit dem Auto den Hof verlassen hat dieses wieder schloß. Nun störte es ihn, daß das Licht dabei immer ausging bevor er, mit all seinen Tätigkeiten fertig war. Also wurde kurzerhand die Zeit erhöht. Er kann zwar jetzt in Ruhe sein Auto aus und in die Garage fahren (2 mal am Tag um Winter, wenn es noch Dunkel ist), wenn aber jemand nur aus dem Haus zu Mülltonne oder auf die Straße gehen möchte, was im Höchstfall etwa 30-50 Sekunden dauer, so brennt trotzdem die Beleuchtung für die verlängerte Zeit. Beim Einsatz von Bewegungsmeldern im Eingangs- und Garagenbereich wäre hier Abhilfe geschaffen. Außerdem sind Bewegungsmelder heute auch nicht mehr wesentlich teurer als Timersteuerungen, sparen aber effektiv Geld und schonen die Umwelt.

 

4. Geeignete Wahl des Leuchtmittels

Hier kann man im Eigenheimberecih eigentlich nur zwischen 3 Verschiedenen Varianten wählen. Dies wären herkömmliche Glühlampen, moderne Stromsparlampen und die Leuchtstoffröhren. Im öffentlichen Bereich gibt es dann noch die QuecksilberHochdrucklampen. Diese werden leider noch oft in der Straßenbeleuchtung eingesetzt. Sie haben jedoch einige entscheidende Nachteile. Diese Strahlen in einem großen Spektralbereich des Lichtes von etwa 320-720nm mit sichtbaren Strahlungsmaxima bei 436nm, 546nm und 577nm. Leider ist das menschliche Auge im Grünbereich in dem genau das Maximum von 546nm liegt recht empfindlich. Im Blauberecih hingegen ist das menschliche Auge recht unempfindlich. Es wird also eine höhere Leistung benötigt um visuell die selbe Helligkeit zu erreichen was wiederum den Stromverbrauch mit allen bereits beschriebenen Nebenwirkungen mit sich bringt. Auf Insekten wirken diese LAmpen jedoch extrem fatal. Die meisten Insekten werden gerade von diesen Lampen magisch angezogen, da diese im ultravioletten Spektralbereich recht gut sehen können. Eine Folge davon ist die massenhafte Verendung dieser Tiere in den Lampengehäusen (siehe oben). Außerdem werden viele Insekten nachst so erst in die Städte gelockt. Der Blendeffekt der Quecksilberdampflampen ist auf dem folgenden Bild seh deutlich zu sehen. Die Lampe selbst ist extrem hell. Auf der zu beleuchtenden Straße sieht man hingegen wenig. Erkennen sie den parkenden weißen Jeep? Was wäre, wenn er schwarz wäre?


Eine Alternative bieten hier die gelben Natriumdampf-Lampen. Es gibt hier 2 Arten. Die Natrium-Hochdruck-Lampen strahlen vornehmlich im gelb-orangen Teil des Spektrums zwischen 570nm und 630nm. Auch hier entstehen 3 Maxima bei 570nm, 583nm und 600nm.
Ideal wären Natrium-Niederdruck-Lampen. Diese strahlen fast ausschließlich bei 590nm und sparen zudem noch richtig Energie.
Sie haben bei gleicher elektrischer Leistung eine höhere Lichtausbeute, blenden weniger und sind visuell angenehmer. Abgesehen davon sind diese Natriumdampflampen inzwischen an bestimmten Stellen wie Kreuzungen, Kurven und Einmündungen vorgeschrieben.
Die Straße in Eischleben in welcher ich wohne mit Quecksilberlampen ausgestattet. Können Sie das Auto erkennen? Schwer, denn die Lampe selbst blendet und am Boden ist kaum etwas zu erkennen.


Sicher haben die Kommunen heutzutage immer weniger Geld zur Verfügung. Aber genau aus diesem Grunde sollten sie überprüfen, ob nicht eine Modernisierung der Straßenbeleuchtung nicht doch Vorteile bringt. (Geringerer Stromverbrauch)

Schaut man sich in unserem Lande um, so stellt man schnell fest, daß es jede Menge unnütze Beleuchtungen gibt. Bestes Beispiel hierfür sind gleich bei mir um die Ecke die Gewerbegebiete in Ichtershausen (GITA) und Arnstadt. Allgemein gelten sie als Aushängeschild für die erfolgreiche Wirtschaftsplitik der ansässigen Kommunalpolitiker. Deshalb leuchten diese auch die ganze Nacht hindurch wie ein bunter Weihnachtsbaum und verbrauchen Strom.Man hat es ja! oder doch nicht? Schaut man genauer hin, so fragt man sich für wen da was beleuchtet wird. Die meisten Firmen arbeiten nachts nicht und auch Fußgänger denen man den Weg beleuchten müßte gibt es sicht. Wer mit dem Auto zur Arbeit fährt hat im allgemeinen Scheinwerfer und benötigt nicht so viel Beleuchtung.
Mein Vorschlag: in den Gewerbegebieten ab 23h die Beleuchtung abschalten oder nur jede 2.oder 3. Straßenlaterne brennen lassen. In Kreuzungsbereichen aus Sicherheitsgründen die Beleuchtung an lassen. Dabei wird sogar ordentlich Geld gespart welches dann z.B. in Schulen ,Kindergärten und Straßenbauprojekte, Ortsverschönerungen oder andere soziale Projekte fließen könnte.

 

5-Punkte Leitfaden zur Eindämmung der Lichtverschmutzung

Der folgende Leitfaden wurde von René L. Kobler vom Institut für Umwelttechnik, Fachhochschule Basel im JAhre 2002 verfaßt.

 

Lobby?

Seit mehr als 20 Jahren galt die DIN 5044 "Ortsfeste Verkehrsbeleuchtung" in der Straßenbeleuchtung als Regel der Technik und war somit Richtschnur technischen Handelns in der Straßenbeleuchtung. Diese soll nun durch die neue DIN13201 abgelöst werden. Wenn man sich diese genauer durchliest, so fällt auf, daß hier offensichtlich die Verfasser sich keine Gedanken über das Thema Lichtverschmutzung machen. Es wird unter anderem gefordert Innerorts den Lampenabstand zu veringern, d.h. noch mehr Lampen aufzustellen und dies auch noch auf beiden Seiten der Straßen. Hier scheint die Lobby der Energieversorger und Lampenhersteller ihre Finger im Spiel zu haben. Anders kann man sich eine derartige DIN nicht erklären. Lobbyarabeit vom Feinsten.
Glücklicherweise wollen sich viele Gemeinden mit den dadurch auf sie zukommenden Kosten, insbesondere auch unter dem Aspekt der immer weiter steigenden Strompreise nicht abfinden. Schlimm, dass Vernunft, auch gegen Normen, nur durch monetäre Engpässe erzwungen wird. Da bleibt zu hoffen, daß sich die Gemeinden gegen die Damen und Herren des Europaparlamentes durchsetzen können. GLÜCHKERWEISE IST EINE DIN NUR EINE EMPFEHLUNG UND KEIN GESETZ!
Übrigens: Wer macht die Planung für die Strassenbeleuchtung ? Meistens die Energieversorger im Auftrag der Gemeinden ! Muss ich weiterschreiben..?
Infos gibt es hier.

Beispiele für Lichtverschmutzung im Ilmkreis

Ich habe mich mal in meinem Landkreis umgeschaut und dort nach Quellen von Lichtverschmutzung gesucht. Ich brauchte dazu nicht einmal allzuweit zu fahren. Die Ergebnisse meiner Recherche habe ich Hier zusammen gefasst.

Beispiele für Lichtverschmutzung in der Thüringer Landeshauptstadt Erfurt

Leider musste ich bei meinem Rundgang durch unsere Thüringer Landeshauptstadt Erfurt feststellen, daß die Stadtväter vom Thema Lichtverschmutzung überhaupt noch nichts gehört haben, bzw. dieses Thema konsequenterweise ignorieren. Bilder gibt es Hier.

 

weiterführende Links

Links des B.U.N.D. Bund für Umwelt- und Naturschutz in Deutschland
http://vorort.bund.net/stuttgart/aktuell/aktuell_2/aktuell_93.php
http://vorort.bund.net/konstanz/Infos/Umwelt-Tipps/Daten/uwtipsk3.html
http://vorort.bund.net/offenbach/pm_skybeamer.html
http://vorort.bund.net/suedlicher-oberrhein/projekte/archiv/skybeamer.htm
http://vorort.bund.net/stuttgart/presse/pm/pm130701.html
http://vorort.bund.net/hamburg/fileadmin/user_upload/Service/Newsletter/Newsletter%202003-3.pdf

Techniklinks
Technische Schrift zur Straßenbeleuchtung von L. Höhne und H.G. Schröter im VDE Verlag Berlin

Der Tagungsbericht der Tagung 2002 in Venedig, die von der italienischen Lichtverschmutzungsgruppe und der UNESCO veranstaltet wurde, ist erschienen und als PDF herunterladbar (in englisch und italienisch).

Allgemeine Links

- Artikel von Andreas Hänel, der in einer Sonderausgabe "Light Pollution" der Zeitschrift "Memoires of the Italian Astronomical Society" erschien PDF-File in englisch.
- Die richtige Straßenbeleuchtung (PDF). artikel der Vereinigung der Sternfreunde.
- Die Dark-Sky Homepage von Utah-Skys Dark-Sky
- Deutsche Lichtverschmutzungs Seite www.Lichtverschmutzung.de
- Einführungstext zur Lichtverschmutzung (pdf, 52kB) von Dark-Sky Switzerland
- "Die Lichtverschmutzung in der Schweiz - Mögliche Auswirkungen und praktische Lösungsansätze" (pdf, 1MB) von Rene L. Kobler, Diplomarbeit beim Institut für Umwelttechnik, Fachhoschule beider Basel, 2002
- "Lichtverschmutzung - Wie die Nacht zum Tag wird" Link von Rene Kobler und Philipp Heck, im Monatsbulletin von astro!nfo http://www.astroinfo.org/bulletin/sky200105/thema.html
- "Störung nächtlich ziehender Vögel durch künstliche Lichtquellen" (pdf, 68kB) von Bruno Bruderer, Schweizerische Vogelwarte Sempach
- "Sag mir wo die Sterne sind.." Artikel der "Morgenwelt" Magazin für Wissenschaft und Kultur 1999
- Lichtverschmutzung in den Alpen. Artikel vom SchienceTicker